300 Jahre Fürstentum Liechtenstein - Vom Gebrauch der Geschichte in Liechtenstein in den Jahren 1933 bis 1945

Wer fragt, warum es Liechtenstein als bereits 300-jähriges, kleines Land überhaupt gibt, wird auf dessen Geschichte verwiesen. Etwa auf die Jahre der NS-Zeit und des Zweiten Weltkrieges, als die Welt im Taumel lag und auch die Zukunft Liechtensteins ungewiss und sein Weiterbestand gefährdet war. Man machte von der Geschichte freilich sehr unterschiedlich Gebrauch, als Werkzeug im politisch-ideologischen Streit.
 
Hervorgekramt wurde von den NS-Anhängern das Tausendjährige Heilige Römische Reich Deutscher Nation, nach dessen Idee Hitler ein «Drittes», ebenso langes Reich schaffen wollte, unter Einbezug der Volksdeutschen und damit auch Liechtensteins. Deutschtum, die Spuren der alemannischen Besiedlung im Land, die Verbundenheit mit den deutschen Ländern und dem Deutschen Bund wurden in diesen Zusammenhang gerückt, auch Peter Kaiser durfte mit Zitaten aus der revolutionären Zeit der Paulskirche von 1848 herhalten. 
 
Anders jene, die das Land selbstständig und frei erhalten wollten. Auch sie schauten auf die Geschichte, hier aber auf jene Momente, da sich die Bevölkerung, die Fürsten und auch Peter Kaiser um Eigenständigkeit bemüht hatten, auf das Ringen der Menschen mit den Naturgewalten, auf die Leistungen der Vorfahren, die gute Nachbarschaft mit Österreich und dann der Schweiz, die Errungenschaften der Verfassungen von 1862 und 1821, auf das Christentum. Für sie gab es eine Identität des «liechtensteinischen Menschen», geboren aus der Geschichte der kleinen Heimat. Historische Erinnerungsfeiern dienten der Selbstvergewisserung.
 
Der Referent zeigt die Instrumentalisierung der Geschichte in extremen Zeiten anhand von Bildern und Texten aus Zeitungen, Landtagssitzungen und Briefen. 
 
 
Referent: PD Dr. Peter Geiger, Historiker, bekannt als Liechtenstein-Forscher und Autor
 
Kosten: CHF 15.- (Abendkasse)
 
 
Wir bitten um Anmeldung.